WHITE PAPER: Asset Forensic 2026

Von der einfachen Inventur zur rechtssicheren Beweislast Wie Behörden und Unternehmen mit Asset.Desk und Security.Desk die Nachweisfähigkeit im Kontext von NIS2, DORA und EU AI Act strukturiert unterstützen.
Kernfrage: Können Sie in einem Audit oder Sicherheitsvorfall belastbar nachweisen, in welchem Zustand sich Ihr Systembestand zu einem Zeitpunkt X befand – inklusive Kontext, Historie und Verantwortlichkeiten?

1. Rechenschaftspflicht

Im Jahr 2026 ist IT-Asset-Management (ITAM) keine reine Inventuraufgabe mehr. Durch die konkrete Umsetzung der NIS2-Richtlinie, Anforderungen an digitale Resilienz (DORA) sowie Dokumentations- und Nachweispflichten im Umfeld des EU AI Act steigt der Druck auf Organisationen, den Zustand der IT-Infrastruktur nachvollziehbar zu dokumentieren. Im Fall eines Sicherheitsvorfalls müssen Verantwortliche belegen können, in welchem Zustand sich relevante Systeme zum Zeitpunkt X befanden – inklusive Historie und organisatorischem Kontext.
Asset Forensic bezeichnet die Fähigkeit, eine IT-Landschaft rückwirkend wie mit einer „Blackbox“ zu analysieren. Dieses Whitepaper zeigt, wie Asset.Desk als zentrales forensisches Gedächtnis wirken kann, um Risiken durch fehlende Nachweise zu reduzieren.

2. Die Säulen der Asset Forensic: Historisierung & Komponenten-Forensik

1. Historisierung: Der digitale „Flugschreiber“ für Softwarestände

Asset.Desk fungiert als zentrales historisches Gedächtnis der IT-Umgebung und ermöglicht eine nachvollziehbare Dokumentation von Softwarezuständen.
  • Lückenlose Dokumentation: Fortlaufende Softwarehistorie mit automatisierten Zeitstempeln und Benutzerzuordnung. Durch native Scan-Agenten wird eine maximale Datentiefe erreicht.
  • Zustände zu definierten Zeitpunkten: Dokumentation von Patch-Ständen, Builds und Hotfixes für konkrete Zeitpunkte in der Vergangenheit.
  • Revisionsorientierter Audit-Trail: Strukturierte Speicherung für gerichtsfeste Nachweise gegenüber Aufsichtsbehörden.
Einordnung: Asset.Desk liefert das notwendige Datenfundament (Governance), um technische und organisatorische Entscheidungen im Nachhinein belegbar zu machen.

2. SBOM-nahe Transparenz & Komponenten-Forensik

Im Kontext von NIS2 und Supply-Chain-Risiken ist die Transparenz über Abhängigkeiten essenziell.
  • Transparenz in der Lieferkette: Dokumentation von Herstellern und Versionen als Basis für Risikoanalysen.
  • Granularität über Configuration Items (CIs): Modellierung von Ressourcen bis auf Softwarepaket-Ebene.
  • Schwachstellen-Identifikation: Schnelle Eingrenzung betroffener Systeme bei Sicherheitswarnungen (z. B. Log4j).

3. Strategische Compliance: NIS2, DORA und EU AI Act

Asset.Desk schlägt die Brücke zwischen IT-Betrieb und Nachweisanforderungen.
DORA (Finanzsektor): Unterstützung des IKT-Drittparteienrisikomanagements durch Dokumentation der Abhängigkeiten zu Dienstleistern und Cloud-Providern.
Abgleich von Sicherheitsrichtlinien: Systematischer Ist/Soll-Vergleich macht Compliance-Lücken und „Schatten-IT“ sofort sichtbar.

4. Praxis-Szenario: Der „Tag X“ im Landratsamt (oder Finanzinstitut)

Szenario: Ein Ransomware-Angriff über eine Zero-Day-Lücke am Montagmorgen.
Minute 0–10: Identifikation betroffener Systeme über die CMDB als Grundlage für Isolationsmaßnahmen.
Stunde 1–4: Historien-Daten belegen Patch-Stände zum Angriffszeitpunkt (Haftungsentlastung).
Stunde 4–8: Kontextansichten klären Prioritäten: Welche geschäftskritischen Fachverfahren müssen zuerst geschützt werden?

5. Konnektivität: Asset-Daten als Treibstoff für SOC & SIEM

Asset.Desk liefert über moderne APIs Kontext, der anonyme Systemmeldungen (Host-Alarme) aus SIEM/SOC-Umgebungen erst handlungsfähig macht.

Praxis-Check: Alarm-Anreicherung in Echtzeit

Asset.Desk reichert „nackte“ Systemmeldungen mit geschäftskritischem Wissen an. In einem SOC-Szenario wird aus einer anonymen Meldung zu einem betroffenen Server (Host) erst durch die API-Verknüpfung ein handlungsfähiger Datensatz:

BEISPIEL: ANALYSE EINES SERVER-ALARMS

  • Asset-Typ: Virtueller Datenbank-Server (Linux)
  • Asset-Name: SRV-0815-TX
  • Kritikalität: Hoch (Produktionssystem)
  • Zugeordnetes Verfahren: Fachverfahren „Zentrales Finanzwesen“
  • Physischer Standort: Rechenzentrum 1, Etage 2, Rack 04
  • Ansprechpartner: Team Infrastruktur (Notfall-Dienst)

Der entscheidende Vorteil: Ohne Asset.Desk wäre unklar, ob es sich um einen unwichtigen Test-PC oder den Kern-Server der Behörde handelt. Der Analyst erkennt sofort die Tragweite.

6. Aktiver Schutz mit Security.Desk: Das Schloss zur Überwachungskamera

Während Asset.Desk als forensisches Gedächtnis dient, unterstützt Security.Desk dabei, Sicherheitsrichtlinien aktiv umzusetzen.
Synergie: Security.Desk übernimmt die aktive Endpoint-Security („Schloss“), während Asset.Desk die übergreifende Nachweis-, Historien- und Governance-Funktion („Überwachungskamera“) bereitstellt.

7. Checkliste: Sind Sie „ITAM-Forensic-Ready“?

  • Können wir den Software-Stand eines beliebigen PCs vom 15. des Vormonats dokumentieren? – Historische Nachvollziehbarkeit von Installationen, Versionen und Änderungen
  • Haben wir ein dynamisches Register für Drittparteien-Abhängigkeiten (DORA-Compliance)? – Pro Asset dokumentierte Abhängigkeiten zu Cloud-, Hosting- und IT-Dienstleistern
  • Sind unsere Asset-Logs durch technische Maßnahmen (z. B. Archivierung nach WORM-Prinzip – Write Once Read Many) vor Manipulation geschützt? – Revisionssichere Protokollierung von Änderungen an Assets und Zuständigkeiten
  • Werden Asset-Informationen an unser SIEM/SOC geliefert? – Asset-bezogene Kontextinformationen (Kritikalität = Bedeutung des Assets für den Geschäftsbetrieb, Standort, verantwortliche Person) stehen Security-Systemen zur sachgerechten Bewertung und Priorisierung von Sicherheitsvorfällen zur Verfügung

Fazit: Das Fundament für Resilienz

IT-Asset-Management ist die zwingende Basis jeder Security-Strategie:
Kein SOC ohne Kontext: Asset.Desk gibt der Alarmmeldung erst die notwendige betriebliche Bedeutung.
Kein Patch-Management ohne Inventar: Man kann nur schützen, was man lückenlos kennt.
Zusammenfassend: Asset Forensic mit Asset.Desk ist das Betriebssystem Ihrer IT-Governance: Transparenz, Historie und Kontext für eine belastbare Sicherheitsarchitektur.